| Veranstaltung: | LDK-Emden 2026 |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 5. Weitere Anträge |
| Antragsteller*in: | KV Wesermarsch (dort beschlossen am: 10.03.2026) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 07.04.2026, 14:17 |
wA10: Nach zwölf Weservertiefungen ist Schluss - Menschen, Sicherheit, Umwelt- und Naturschutz endlich Vorrang geben
Antragstext
Die Weser ist ein Fluss, der aus dem Gleichgewicht geraten ist:
Schlick erstickt Nebenarme, Erosion frisst Ufer weg, Abbruchkanten entstehen
dort, wo Menschen früher sicher badeten oder spazierten. Kleine Häfen sind im
Schlick verschwunden. Mit jedem steigenden Tidenhub drängt Salzwasser weiter ins
Land, Gräben versalzen, Tiere können aus ihnen nicht mehr getränkt werden, die
Landwirtschaft verliert ihre Grundlage und die Weiden ihre Kühe. Was früher
klares Süßwasser war, wird brackig – Fische, Kleinstlebewesen und ganze
Lebensräume verschwinden leise. Trotz vollmundiger Versprechungen sind
Kompensationsmaßnahmen wie der „Generalplan Wesermarsch“ ausgeblieben, die diese
schlimmen Folgen für Menschen, Natur und Landwirtschaft vermindern sollten.
Der Tourismus leidet, weil Naturerlebnis und Sicherheit verloren gehen und weil
Flussufer, Badestellen, Sportboothäfen und wassernahe Freizeitangebote zunehmend
beeinträchtigt werden. Zugleich wächst durch stärkere Strömungen, höhere
Wasserstände und häufigere Extremereignisse der Druck auf Deiche und
Küstenschutzanlagen – eine Entwicklung, die sich im Zuge des Klimawandels weiter
verschärfen wird. Hinzu kommt, dass die Deiche rund um die Wesermarsch und somit
auch beim AKW Esenshamm, wo drei Zwischenlager mit radioaktivem Inventar stehen,
dringend erhöht werden müssen, um dem Druck eines Jahrhunderthochwassers bei
zunehmenden Klimawandelfolgen standzuhalten.
Viele Menschen entlang der Weser spüren: Der Druck auf Deiche, Landschaft und
ihr Zuhause wächst – und mit ihm die Sorge um ihre Zukunft.
Die LDK möge beschließen: Die GRÜNEN Niedersachsen lehnen weitere Unter – und
Außenweservertiefungen entschieden ab. Nach inzwischen zwölf durchgeführten
Weservertiefungen ist eine ökologische, sicherheitspolitische und
wasserwirtschaftliche Belastungsgrenze überschritten. Statt weiterer
Ausbaggerungen setzen wir uns für eine umwelt- und klimaverträgliche
Weiterentwicklung der Häfen an der Weser ein.
Wir GRÜNE fordern den Bund auf, bestehende Zusagen zur Kompensation früherer
Weservertiefungen vollständig umzusetzen, das Land Niedersachsen, kein
Einvernehmen zu einer weiteren Vertiefung der Außen- und Unterweser zu erteilen
und die Finanzierung der Ausbaggerung des Fedderwarder Priels dauerhaft
sicherzustellen, damit der Hafen Fedderwardersiel sowie die örtliche Fischerei-
und Freizeitnutzung verlässlich erreichbar bleiben. Weiterhin fordern wir die
Deiche an allen kritischen Stellen prioritär zu sichern, vor allen Dingen dort,
wo schon jetzt ein Unterbestick besteht.
Begründung
Begründung: Die Außen- und Unterweser wurden insgesamt zwölfmal vertieft, begradigt und ausgebaut. Die Folgen sind entlang des gesamten Flusses spürbar – ähnlich wie an Elbe und Ems. Dennoch hat die Reederei Maersk angekündigt, Investitionen in den Standort Bremerhaven von einer erneuten Vertiefung abhängig zu machen. Das droht zu einem fatalen Kreislauf zu werden: immer größere Schiffe, immer neue Vertiefungen, immer höhere ökologische und finanzielle Folgekosten
Bereits 2015 gab der Europäische Gerichtshof einer Klage des BUND gegen die Flussvertiefung in weiten Teilen statt und stärkte mit seinem Grundsatzurteil das Verschlechterungsverbot sowie die Pflicht zur Verbesserung des ökologischen Zustands europäischer Oberflächengewässer. Eine erneute Vertiefung von Unter- und Außenweser wäre mit weiteren massiven ökologischen Folgeschäden verbunden – wie sie an Weser, Elbe und Ems bereits gravierend festzustellen sind: ein weiter steigender Tidenhub, höhere Strömungsgeschwindigkeiten und ein weiteres Vorrücken der Brackwasserzone flussaufwärts. Der Fedderwarder Priel würde vollständig verschlicken – mit der Folge, dass der Hafen Fedderwardersiel ohne regelmäßige Ausbaggerung kaum noch erreichbar wäre und wirtschaftliche sowie touristische Nutzungen weiter eingeschränkt würden