| Veranstaltung: | LDK-Emden 2026 |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 5. Weitere Anträge |
| Antragsteller*in: | LAG Energie & Atom (dort beschlossen am: 07.04.2026) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 09.04.2026, 12:09 |
wA12: Netze als Rückgrat der Energiewende stärken – Ausbau von Erneuerbaren Energien sichern, Systemintegration verbessern
Antragstext
Die Landesdelegiertenkonferenz von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Niedersachsen stellt
fest:
Der Erfolg der Energiewende in Niedersachsen hängt maßgeblich von einer
leistungsfähigen, intelligent gesteuerten und ausbauorientierten
Netzinfrastruktur ab. Niedersachsen ist als führendes Bundesland beim Ausbau der
Windenergie und als Industriestandort sowie als zukünftige
Wasserstoffdrehscheibe in besonderer Weise auf verlässliche und
zukunftsorientierte Rahmenbedingungen angewiesen.
Aktuelle Vorschläge auf Bundesebene zur Reform des Netzengpassmanagements und
zur Steuerung des Ausbaus Erneuerbarer Energien (EE) setzen jedoch falsche
Anreize. Insbesondere drohen sie, den Ausbau von EE zu bremsen,
Investitionssicherheit zu untergraben und die systemische Integration eines
erneuerbaren Energiesystems zu erschweren.
Vor diesem Hintergrund fordert die LDK die niedersächsische Landesregierung auf:
1. Ausbau von EE absichern und beschleunigen
Sich auf Bundesebene dafür einzusetzen, dass der Vorrang für Anschluss und
Einspeisung von EE erhalten bleibt und Netzengpässe nicht zu einem strukturellen
Ausbauhemmnis werden. Netzanschlüsse für EE sind zu priorisieren und durch
klare, verbindliche bundesweit einheitliche Verfahren und Fristen zu
beschleunigen.
2. Netzengpässe systemisch und effizient adressieren
Netzengpässe sind vorrangig durch intelligente Systemsteuerung und nicht durch
pauschale Einschränkungen des Ausbaus von EE zu lösen. Dabei setzen wir auf
Netzoptimierung vor Flexibilität vor Verstärkung vor Ausbau (NOXVA-Prinzip).
Maßnahmen zur besseren Nutzung bestehender Netze – wie Prognosen, digitales
Netzmonitoring, Lastflussrechnungen, die Überbauung von Netzanschlusspunkten
sowie weitere Optimierungsinstrumente – sind konsequent anzuwenden und
weiterzuentwickeln.
Erst darauf aufbauend sind Flexibilitätsoptionen wie Speicher und Lastmanagement
zu stärken, bevor netzseitige Verstärkung und Ausbau erfolgen.
Starre und vergangenheitsbasierte Definitionen von Netzengpassgebieten (3 %-
Regel) sind abzulehnen. Stattdessen sind dynamische, prognosebasierte und
regional differenzierte Ansätze zur Netzsteuerung zu stärken.
3. Redispatch als Systeminstrument weiterentwickeln
Sich dafür einzusetzen, dass grundsätzlich sinnvolle Redispatch-Maßnahmen zur
Behebung von Netzengpässen weiterhin als systemdienliches Instrument
ausgestaltet werden und nicht zu einseitigen wirtschaftlichen Risiken für
Anlagenbetreiber führen. Das neu eingeführte Redispatch 2.0 System mit der
Einbindung von EE-Anlagen wirken zu lassen und regulatorisch weiterzuentwickeln.
Marktliche und systemische Signale müssen konsistent ausgestaltet sein, um
effiziente Investitionsentscheidungen zu ermöglichen.
4. Regionale Nutzung von EE und netzdienlichen Speicherbetrieb stärken
Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine stärkere regionale Nutzung von EE
ermöglichen, insbesondere durch die Förderung von Direktstromlieferverträgen
(PPAs), regionaler Industrieversorgung sowie sektorübergreifender Nutzung (E-
Mobilität, Wasserstoff, etc.). Die gemeinsame regionale Nutzung von EE vor Ort
(Energy-Sharing) zu fördern.
Der Einsatz von Speichern – auf verschiedenen Spannungsebenen – ist
wünschenswert und muss auf Netzdienlichkeit ausgerichtet sein. Speicher sind so
in das System zu integrieren, dass sie Netzengpässe reduzieren und nicht
verstärken.
5. Rahmenbedingungen für Netze, Erneuerbare und Speicher verbessern
Für einen kostengünstigen, effizienten und klimaschützenden Ausbau der
Energieversorgung ist eine verlässliche und systemdienliche Weiterentwicklung
des EEG, der Netzinfrastruktur und der Speichersysteme (Batteriespeicher, Redox-
Flow, Wasserstoff) erforderlich.
Sich auf Bundesebene dafür einzusetzen, dass der Netzausbau beschleunigt und die
Förderung von Solar-, Wind- und Bioenergie verlässlich und auskömmlich
ausgestaltet wird. Dazu gehört eine Erhöhung der Ausschreibungsmengen für die
Windenergie, die Fortführung der Förderung von Photovoltaik – insbesondere auf
Dächern.
Begründung
Die Energiewende in Niedersachsen steht an einem entscheidenden Punkt: Der Ausbau von EE schreitet voran, gleichzeitig nehmen Netzengpässe und Abregelungen zu. Bereits heute werden erhebliche Mengen erneuerbaren Stroms aufgrund von Netzüberlastungen nicht genutzt. Gleichzeitig fallen hohe Kosten für das Netzengpassmanagement an.
Die aktuelle Initiative „Netzpaket 2026“ auf Bundesebene zielt darauf ab, diese Kosten zu begrenzen, indem der Ausbau von EE stärker an bestehende Netzkapazitäten angepasst wird. Dieser Ansatz greift jedoch zu kurz und birgt erhebliche Risiken:
- Die Verantwortung für strukturelle Defizite im Netzsystem wird einseitig auf Anlagenbetreiber verlagert. Maßnahmen wie der Wegfall von Entschädigungen bei Redispatch gefährden die Investitionssicherheit und können den dringend benötigten Ausbau von EE erheblich verlangsamen.
- Die pauschalen Definitionen von Engpassgebieten auf rückblickenden Kennzahlen werden der Dynamik eines zunehmend digitalisierten und steuerbaren Energiesystems nicht gerecht. Moderne Energiesysteme ermöglichen durch. die prognostische Erkennung von und Beseitigung von Netzengpässen, Flexibilität und intelligente Steuerung eine effizientere Nutzung bestehender Infrastruktur.
- Es droht eine Abkehr vom Einspeisevorrang für EE und damit einer grundlegenden Logik der Energiewende. Der Vorrang für EE ist nicht nur klimapolitisch notwendig, sondern auch zentral für ein konsistentes und planbares Strommarktdesign.
Statt den Ausbau von EE zu bremsen, muss die Integration in das Energiesystem verbessert werden. Dazu gehören insbesondere der Ausbau von Flexibilitätsoptionen, die stärkere Nutzung von Speichern, eine bessere Verzahnung von Strom-, Wärme- und Wasserstoffsektor sowie der Einsatz moderner Prognose- und Steuerungstechnologien.
Zugleich ist es notwendig, die regionale Nutzung von EE zu stärken, um Wertschöpfung vor Ort zu sichern, Akzeptanz zu erhöhen und Netze zu entlasten.
Niedersachsen hat als zentrales Energieland eine besondere Verantwortung und zugleich die Chance, hier eine Vorreiterrolle einzunehmen. Eine integrierte Netz- und Systemstrategie kann dazu beitragen, den weiteren Ausbau von EE zu sichern, das Energiesystem effizienter zu gestalten und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts langfristig zu stärken.