Die industrielle Transformation hin zu Klimaneutralität ist eine zentrale Aufgabe unserer Zeit. Der Antrag setzt hierfür wichtige klimapolitische Leitplanken und adressiert berechtigt Risiken wie fossile Lock-in-Effekte, neue Importabhängigkeiten sowie den Ausbau von LNG- und CO₂-Infrastruktur.
Gleichzeitig zeigt sich, dass die bisherigen Planungen im Rahmen des NetZeroValley Nordwest die ökologischen und regionalen Auswirkungen nicht ausreichend berücksichtigen. Insbesondere die Küstenregion steht bereits heute unter einem hohen Nutzungsdruck durch Energie- und Industrieinfrastruktur.
Die Nordseeküste, insbesondere das Niedersächsische Wattenmeer, gehört zu den ökologisch wertvollsten Lebensräumen Europas. Es ist von zentraler Bedeutung für den Arten- und Klimaschutz und gleichzeitig ein sensibler Naturraum, dessen Belastbarkeit begrenzt ist. Weitere großflächige Eingriffe bergen das Risiko, diese Ökosysteme dauerhaft zu beeinträchtigen.
Aktuelle Entwicklungen im Umfeld von Industrie- und Energieprojekten zeigen, dass selbst Vogelschutzgebiete und ökologisch wertvolle Flächen zunehmend unter Druck geraten. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, klare ökologische Leitplanken und verbindliche Ausschlusskriterien zu formulieren.
Klimaschutz und Naturschutz dürfen dabei nicht gegeneinander ausgespielt werden. Eine erfolgreiche Transformation kann nur gelingen, wenn Emissionsreduktion und der Erhalt von Biodiversität gemeinsam gedacht werden. Maßnahmen, die kurzfristig zur Reduktion von Treibhausgasen beitragen, dürfen nicht langfristig die natürlichen Grundlagen zerstören.
Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Flächennutzung. Der Ausbau von Energie- und Industrieinfrastruktur erfordert erhebliche Flächen. Um zusätzliche Eingriffe in Natur und Landschaft zu minimieren, ist es notwendig, bereits versiegelte und vorbelastete Flächen konsequent zu nutzen und Neuversiegelung auf das unvermeidbare Maß zu begrenzen.
Darüber hinaus ist eine faire Verteilung der Lasten der Energiewende erforderlich. Die Küstenregion übernimmt bereits heute eine zentrale Rolle beim Ausbau von Energieinfrastruktur. Eine weitere Konzentration würde regionale Ungleichgewichte verstärken und die Akzeptanz vor Ort gefährden. Eine ausgewogene Verteilung auf verschiedene Regionen ist daher notwendig.
Der Antrag ergänzt die bestehenden klimapolitischen Anforderungen daher um notwendige ökologische Leitplanken, eine verbindliche Flächenstrategie sowie den Grundsatz regionaler Ausgewogenheit. Ziel ist eine Transformation, die sowohl ökologisch tragfähig als auch gesellschaftlich akzeptiert ist.